Endlich! Endlich war das neue Haus fertig. Endlich, nach zwei langen, aufreibenden Jahren. Obwohl, fertig war zu hoch gegriffen. Aber irgendwann musste Hans einen Schlusspunkt setzen, sonst wäre der Bau noch ewig lange nicht fertig geworden. Er allerdings war schon lange fertig, fertig von den ewigen Diskussionen mit den Handwerkern, deren Unpünktlichkeit, deren Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit. Zuletzt war er auch fertig mit seinem Geld.

Die Bank war trotz allem großzügig gewesen und hatte viel mehr Geld bereitgestellt, als ursprünglich geplant. Aber welcher Bauherr hatte nicht schon die Erfahrung machen müssen, dass der Bau letztlich viel teurer kommt, als geplant. Und nun, die erste Nacht im eigenen Heim. Hans konnte es noch immer nicht richtig glauben. Und trotzdem, vom ersten Augenblick an fühlte er sich wohl in diesem Haus, fühlte sich zu Hause, so, als ob er schon immer darin gewohnt hätte.
Nach und nach stellte er die unvollendeten Gewerke fertig, nach und nach stellten sich weitere Rechnungen ein, so dass Hans allmählich bange wurde, ob er das alles auch schaffen würde.

Die Monate vergingen, der Trubel legte sich, die Zweifel kamen. Dieses Haus, das Hans sich so sehr gewünscht hatte, wurde zu einem Mühlstein an seinem Hals, begann, ihm die Freude zu nehmen, ihn zu lähmen. Die Angst, das Haus womöglich nicht mehr finanziell tragen zu können, wuchs und wurde sein täglicher Begleiter. Auch wenn er von seiner Familie und seinen Freunden Unterstützung angeboten bekommen hatte, die Angst ließ ihn doch nicht los.

Schließlich, als die Angst sein ständiger Begleiter wurde, vertraute Hans sich einem Freund an, den sie alle nur den „Schamanen“ nannten, einen von der seltenen aufrichtigen Sorte, den kein Geld interessierte, davon hatte er selbst genug, dafür aber offen und wahrhaftig auch Unbequemes ansprach.
„Das Leben macht alles richtig. Vertraue dem Leben – oder wenn Du willst, vertraue Gott – und versuche nicht, gegen den Strom des Lebens zu schwimmen. Denn das wird Dir nicht gelingen.“ Das waren seine Worte.

Nachdenklich ging Hans nach Hause. „Vertraue dem Leben – es macht alles richtig, nur wollen wir Menschen das oft nicht wahrhaben und unseren eigenen Willen und unsere eigenen Vorstellungen durchsetzen.“
Diese Gedanken beschäftigten Hans und plötzlich lichtete sich ein Nebel. Wenn er das Haus nicht halten würde können und es verkaufen müsste, würde noch immer etwas Geld übrig bleiben, er wäre wieder ungebunden, könnte etwas Neues beginnen, vielleicht sogar an einem anderen Ort. Plötzlich eröffneten sich ihm neue Möglichkeiten. Das unbedingt festhalten wollen am Haus, das hatte ihn gefangen genommen. Loslassen von den eigenen Vorstellungen und damit auch von den Ängsten, das Schwimmen im Strom des Lebens, das war die Lösung und führte zur großen Freiheit.
Mit dieser Erkenntnis fiel ihm ein Riesenstein von seinem Herzen. er fühlte sich wieder frei und konnte sein Haus und das Leben darin wieder genießen. Und das Beste, er wohnt noch immer darin, glücklich, zufrieden und frei wie ein Vogel.

______________________________________________________



„Mein junger Kollege….“

Es war in den Anfangsjahren meiner Zeit als niedergelassener praktischer Arzt, als der Kollege in der Nähe hoch in den Siebzigern in Pension ging. Damit war auch die Zeit als medizinischer „Selbstversorger“ vorbei, hatte er doch auch mit allerlei Wehwehchen zu kämpfen und benötigte regelmäßig Medikamente. „Mein junger Kollege“, sprach er mich an, „würden Sie mich in der Pension betreuen, ich brauche ja allerhand? Sie haben mich in den vergangenen Jahren immer gut vertrete, darum möchte ich gerne zu Ihnen als Patient kommen.“

Erfreut nahm ich an. Ich betrachtete es als eine besondere Ehre, ihn, den altgedienten und angesehenen Kollegen betreuen zu dürfen, sein Vertrauen zu erhalten. Und so sahen wir uns seitdem regelmäßig, zuerst in der Ordination, dann später, als er kaum mehr gehen konnte, bei Besuchen bei ihm zu Hause. Meist saß er in seinem Ohrensessel und strahlte einen inneren Frieden und eine Ruhe aus, wie man sie nur selten findet. Er war mit sich im Reinen.

Im Rahmen meiner Visiten brachte ich ihm an einem Adventtag meine Weihnachtskarte vorbei und wünschte ihm alles Gute zu den bevorstehenden Feiertagen. Nachdenklich betrachtete er die Karte, las sie aufmerksam durch, auch die Weihnachtsgeschichte. Stille breitete sich im Raum aus.

„Mein junger Kollege…“ mit diesen Worten, die er für gewöhnlich wählte, wenn er mir etwas sagen wollte, was ihm am Herzen lag, unterbrach er die Stille „ich feiere schon seit langem nicht mehr Weihnachten“ und legte die Karte zur Seite. „Zumindest nicht im üblichen Sinn, mit Geschenken, Hektik, guten Wünschen, Christbaum usw. Ich lebe Weihnachten jeden Tag, nicht nur an einem Tag im Jahr, in den die Menschen dann alles, was sie im vergangenen Jahr vergessen und unterlassen haben, hineinstopfen und mit Erwartungen und Wüschen so überfrachten, daß es schief gehen muß. Ich brauche diese äußeren Symbole nicht mehr. Ich habe viel gearbeitet, viele Dienste zu Weihnachten gemacht und die Leute haben sich immer gewundert, wo ich die Kraft dafür hergenommen habe. Dabei war es ganz einfach, ich habe Weihnachten nie versäumt, viel öfter und intensiver erlebt, nur haben es die Leute nicht gesehen, denn ich feierte in meinem Herzen, jeden Tag, auch heute noch. Weihnachten hängt nicht von diesen Äußerlichkeiten und Feierlichkeiten ab, vielmehr habe ich den Menschen jeden Tag und nicht nur an diesem einen Tag alles Gute gewünscht, habe jeden Tag mit Liebe gearbeitet und all das ist irgendwann überreichlich zurückgekommen. Trotzdem, Danke für die Karte.“ Nachdenklich ging ich nach Hause. Könnte nicht jeden Tag Weihnachten sein?

______________________________________________________



Es war Anfang der Siebziger-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Eine kleine Parzelle war in der Schrebergartensiedlung frei geworden, die kleinste überhaupt mit rund 50m². Gerüchteweise hieß es, daß schon bald ein neuer Pächter dieses kleine verwahrloste Stück Land übernehmen würde, das in den letzten Jahren kaum mehr bewirtschaftet worden war und deswegen total verunkrautet war. An sich war die Parzelle für einen Schrebergarten viel zu klein, man konnte eigentlich nur eine Hütte mit dem berühmten „Paterkranzl“ rundum aufstellen.

Und da tauchte er plötzlich auf. Er kam in einem Unimog angefahren, der, wie sich später herausstellte, seinem Arbeitgeber gehörte. Sein Gesicht war wettergegerbt und zeugte von seiner harten Arbeit im Freien als Zimmermann und Tischler. Ob seiner gebräunten, tief gefurchten Haut, seines zahnlosen Mundes, seiner knochigen Arbeitshände, die man ohne weiteres als Pranken bezeichnen hätte können, nannten ihn die Schrebergartler spontan „Wurzelsepp“, nicht herabsetzend, eher liebevoll.

Der Wurzelsepp hielt sich nicht lange auf, begrüßte die Anwesenden nur kurz und begann sofort, die Holzpfosten vom Unimog abzuladen, starke Lärchenpfosten, in einer Ecke seines Gartens zu deponieren und verabschiedete sich wieder.

Einige Tage vergingen, und plötzlich war er wieder da, schon lange bevor die anderen gekommen waren und baute seine Hütte. Innerhalb des selben Tages war sie fertig, ganz alleine hatte er es geschafft. In eine Ecke hatte er die Hütte gestellt, die so klein war, daß sie ihm bei einem Regen gerade als Unterstand dienen konnte und Platz für zwei Klappsessel bot.

Und dann begann er Steine heranzuschleppen, große Steine, mit denen er die Ränder der Beete markierte. Die Wege dazwischen schotterte er mit grobem Kies. Er war nun täglich in seinem Garten, zwischenzeitlich war er in Pension gegangen, und brachte immer neue Pflanzen in seinem Rucksack mit. Alles Pflanzen, die er in den Wäldern der Umgebung ausgegraben hatte. Heute würden wir das als Frevel bezeichnen, aber damals war sich kaum jemand dieser Sünde bewußt.

So füllten sich langsam seine Beete und es begann sich eine Blütenpracht und eine Vielfalt zu entwickeln, daß es einfach unglaublich war. Da hatten Küchenschellen ihren Platz genauso wie Farne, Salbei, Lilien, Akeleien, und viele andere heimische Blumen und Stauden, die wir heute schon fast vergessen haben. Die Schmetterlinge besuchten diesen Garten, ebenso die Vögel auf Ihrer Suche nach Samenkörnern, kurz, es war ein kleines Paradies entstanden.

Selbst die Schrebergärtner, die damals noch weitgehend Gemüse züchteten, zollten ihm ihren Respekt. Ohne daß er sonst etwas tun hätte müssen, war er als einer der ihren akzeptiert und geachtet. Besonders einem Jungen des Nachbargartens hatte es sein Garten angetan, der so anders war, als alles, was er bisher kannte.

Stundenlang saß der Junge bei ihm, dem Wurzelsepp, der ihm die einzelnen Pflanzen erklärte. Er kannte nicht nur alle Pflanzennamen, er wußte auch die korrekte lateinische Bezeichnung seiner Pflanzen, obwohl er nie studiert hatte, sondern Zeit seines Lebens nur ein einfacher Helfer in der Zimmerei war, und erklärte ihm deren Besonderheiten und wo er sie gefunden hatte. Stundenlang konnte der Junge dem Alten zuhören, nebeneinander auf einem Klappsessel sitzend, der Alte seine Zigarette mit einem Mundspitz rauchend. Aus diesen Gesprächen entwickelte sich mit den Jahren eine Freundschaft, so daß die beiden dann nur mehr stumm da saßen und sich an der prallen Natur erfreuten.

Jahrelang erfreute dieser Garten den Wurzelsepp und seine Besucher. Doch eines Tages kam er plötzlich nicht mehr in seinen geliebten Garten. Genauso wie er seinerzeit aufgetaucht war, war er nun wieder verschwunden. Es hieß, er sei im Krankenhaus und schon kurze Zeit später verstarb er. Der Garten blieb zurück, doch irgendwie fehlte seine Seele.

Schon nach kurzer Zeit kam ein neuer Pächter. Ohnmächtig und mit Tränen in den Augen mußte der Nachbarjunge zusehen wie der neue Pächter die Hütte niederriss, die Beete planierte und eine große, ordentliche Schrebergartenhütte baute, mit einem „Wiesele“ rundum und einigen Stauden aus einem Gartencenter.

Nichts mehr erinnerte an den Wurzelsepp und seine schönen Blumen. Und doch, er hatte eine Saat gelegt, die langsam keimte. Und zumindest in einem Fall ist seine Saat aufgegangen. Der Nachbarjunge von damals, der mit ihm Stunden um Stunden verbracht und seine Blumen bewundert hatte, hat sich viele Jahre später selbst einen solchen Garten angelegt. Wieder mit vielen Steinen, mit Wildblumen, aber nicht ausgegraben im Wald, sondern nachgezüchtet in einer Gärtnerei, und wieder kommen die Schmetterlinge und die Vögel zu ihm, wie einst, aber auch Eidechsen und selten gewordene Insekten wie Holzbienen leisten ihm Gesellschaft. Es scheint, als ob Wurzelsepps Garten einfach in eine neue Zeit transformiert worden wäre, nie aufgehört hatte, zu existieren, als ob die Zeit einfach stehen geblieben wäre. Dieser neue Garten ist sein, Wurzelsepps Vermächtnis, sein Erbe, das er weitergegeben hat, darin lebt er weiter.

Und vielleicht wird es auch ihm gelingen, eine Saat zu säen, so wie Wurzelsepp es getan hat, die aufgeht und irgendwo da draussen einen neuen wilden Garten entstehen läßt und der Natur wieder Raum gibt.

______________________________________________________



Vielleicht habt Ihr sie gekannt, die Else Anderka. Sie war eine markante Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Sie lebte bis zu Ihrem Tode in ihrer kleinen Wohnung am Pradler Platz und erteilte bis zu Beginn der 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts Nachhilfeunterricht in Englisch.

Auch ich war eines ihrer Gfrieser, wie sie ihre Nachhilfeschüler nannte. Einmal die Woche eine Stunde waren wir zusammen, sie meist strickend und die unvermeidliche Zigarette im Mund, eine Dreier, die das Zimmer in eine nikotingeschwängerte Rauchkuchl verwandelte. Acht Jahre haben wir so miteinander verbracht.

In den Sommerferien unternahm Else Anderka ausgiebige Reisen in den Süden, vornehmlich nach Italien, um ihrer Leidenschaft, der Kunst zu frönen. Von einer dieser Reisen kam sie humpelnd zurück und konnte nur unter größten Schmerzen die paar Meter von der Tür zu ihrem Sessel im Unterrichtsraum zurücklegen. Als wenn nichts gewesen wäre, begann sie mit ihrem Unterricht. Gegen Ende der Stunde fiel mir auf, dass sie die ganze Zeit während des Unterrichts ihren wehen Fuß an den Zehen auf und ab wippte. Ich fragte sie, was ihr zugestoßen sei und sie erzählte mir, dass es in ihrem Urlaub plötzlich einen „Schnell“ im Fuß gemacht habe und sie von einem Augenblick zum anderen nicht mehr habe gehen können und seither wahnsinnige Schmerzen habe. Sie sei sofort nach der Rückkehr nach Innsbruck auf die Unfallchirurgie gegangen. Dort habe man einen Achillessehnenriß festgestellt, aber man könne nicht mehr operieren, weil die Verletzung zu alt sei. Man habe ihr gesagt, dass sie nie wieder richtig gehen werde können. Doch sie akzeptiere das nicht und werde solange üben, bis sie wieder gehen werde können, denn sie wolle weiterhin ihre Urlaubsreisen machen. Und deswegen wippe sie ständig mit dem Fuß, um den anderen kleinen Muskel und dessen Sehne, die nicht gerissen waren, so zu trainieren, dass sie ihr das Gehen wieder ermöglichten.

So verbrachten wir viele Stunden miteinander, sie immer den Fuß wippend und im Frühjahr konnte sie dann tatsächlich wieder einigermaßen gut gehen und in der Folge ihren geliebten Sommer-Kultururlaub im Süden genießen. Und das trotz aller gegenteiliger Expertisen der Fachleute.

Diese Frau hat mich gelehrt, was Wille und Beharrlichkeit vermögen. Ihr Glaube an sich selbst hat das Unmögliche, das Wunder möglich gemacht.

Die Geschichte geht noch weiter. Else Anderka war immer den Brettern, die die Welt bedeuten, eng verbunden, war doch ihr verstorbener Mann Schauspieler. Und so beschloß sie in hohem Alter, noch einmal von vorne zu beginnen, den Nachhilfeunterricht mehr und mehr und schließlich ganz an den Nagel zu hängen und sich ihrer Leidenschaft, dem Theater zu widmen und begann als Schauspielerin zu arbeiten. Und auch hier zeigte sich das Außergewöhnliche dieser Frau. Sie spielte Ihre Rollen mit einer solchen Intensität, dass sie binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling wurde, ein prägendes Gesicht der Telfer Volksschauspiele, das einfach dazugehörte, nicht wegzudenken war. Geradezu prophetisch ihre letzte Rolle, das Totenweibele in „Erde“ von Karl Schönherr im Sommer 1989 bei den Telfer Volksschauspielen. Sie spielte es nicht, nein, sie war es. Und kurz darauf, am 12. Jänner 1990 verstarb sie im Alter von 87 Jahren. Sie, die bis zuletzt ihre eigenen Grenzen immer weiter hinausgeschoben hatte, in hohem Alter noch immer neugierig war auf neues und es wagte, sich auf neues einzulassen, neue Erfahrungen zu machen, glücklich, ihre Erfüllung auf der Bühne gefunden zu haben, obwohl sie es sich schon längst hätte bequem machen können, war nun in der Grenzenlosigkeit angekommen.

Ich denke manchmal an sie und bewundere sie noch heute für ihren Mut, immer wieder, ihr ganzes Leben lang bis ins hohe Alter, Neues zu beginnen, Neues zuzulassen und zu erfahren…….

Es ist nie zu spät, noch einmal von vorne zu beginnen, neues zu wagen……

______________________________________________________



Es war im Advent, an einem dieser nebeligen, nasskalten Tage, meine letzte Visite im Heim. Die Patientin war seit kurzem bettlägrig, es fiel ihr schon schwer, zu sprechen, und doch strahlte sie eine innere Ruhe und Gelassenheit, oder war es Weisheit? aus, so dass ich mich immer gerne zu einem „Ratscher“ zu ihr setzte.

Doch an diesem Abend war sie anders als sonst, nachdenklich, sie schien weit weg in die Ferne zu schauen, ich spürte ihr Bewegt-Sein.

Als ich mich zu ihr gesetzt hatte, ergriff sie meine Hand, blickte wieder in die Ferne und sagte: „Als mein Sohn 25 Jahre alt war, kam er einmal zu mir und fragte mich: Mutti, was ist Liebe? Ich war perplex. Ich wusste einfach spontan keine Antwort auf diese direkte Frage. Und so antwortete ich ihm: Davon hast Du keine Ahnung, davon verstehst du nichts, nur, das, was du machst, hat mit Liebe gewiß nichts zu tun und schickte ihn weg.

Erst im Nachhinein erkannte ich, wie sehr ich ihn damit verletzt hatte und wie wenig ich über die Liebe selbst wusste. Lange Zeit habe ich keine Antwort gefunden, erst nach und nach ist mir klar geworden, dass Liebe mit dem Herzen zu tun hat, mit einem Öffnen des Herzens für die anderen, so dass ein Überströmen der Zuneigung von Herz zu Herz möglich wird.

Liebe ist, sich selbst zu schenken und von den anderen nichts zu wollen. Und in diesem Sinne hat Jesus uns das großartigste Geschenk, das es gibt, gemacht, er hat nämlich sich uns geschenkt, um dann später am Kreuz für uns zu sterben, um uns zu erlösen. Und er hat dafür nichts gewollt.

Gibt es ein größeres Geschenk?

Bald ist wieder Weihnachten, doch die Menschen sehen dieses großartige Geschenk nicht mehr. Die Kaufleute haben es geschafft, uns zu vermitteln, dass man Dinge schenken muß, aus Weihnachten ein Geschäft gemacht und keiner sieht mehr dieses wunderbarste aller Geschenke.

Warum ich Ihnen das alles erzähle?

Ich fühle, dass nun die Zeit gekommen ist, meinem Sohn die letzte große Lektion zu erteilen, nämlich das alleine-im-Leben-stehen, so ganz ohne Rückhalt seiner Eltern, in unsere Nachfolge einzutreten, so, wie wir seinerzeit in die Nachfolge unserer Eltern eingetreten sind.

Dies wird mein heuriges und letztes Weihnachtsgeschenk an ihn sein, auch wenn er es vielleicht nicht als Geschenk erkennen wird.

Ich habe Ihnen dies alles erzählt, weil ich so auch Ihnen etwas schenken wollte, ich habe ihnen auf diese Weise ein bisschen von mir geschenkt.

Ich bin glücklich, dass ich meine Aufgabe hier bald erfüllt haben werde und in Frieden gehen kann.“

Es war ein bewegter, stiller Abschied. Ich sah sie nie wieder.

______________________________________________________



Wie ein fast leeres Glas wieder randvoll wurde….

Die tunesische Wüste habe ich immer als „Kindergarten“ bezeichnet und bei meinen Reiseüberlegungen links liegen gelassen. Die großen, hunderte Meter hohen, scheinbar unendlich weiten Dünen der libyschen Wüste waren mein Ziel, nicht die kleinen, eng gestaffelten der tunesischen Wüste, die gerade die letzten Ausläufer der Sahara umfasst. Uninteressant, etwas für Anfänger, und so fuhr ich auf dem Weg nach Libyen jedes Mal achtlos an ihnen vorbei.

Auch heuer überkam mich wieder die Sehnsucht, in der großen „Sandkiste“ zu spielen und die Freiheit und unendliche Weite der Wüste, das Einzigartige unserer Existenz zu spüren. Allein, es war unmöglich, nach Libyen, genauer in den Erg Murzuk zu fahren, zu kompliziert, zu aufwendig, zu viel Zeit kostend.

Kurzfristig ergab sich dann aber doch die Möglichkeit, mit Freunden die Sandkiste zu besuchen, aber nur in Tunesien und nur für eine Woche. Unter dem Motto „Besser, als gar nichts“ schloss ich mich meinen Freunden an, eigentlich ohne irgendeine positive Erwartung, mehr zu Testzwecken, denn aus Freude.

Und was war es dann für eine große Freude, wieder in der Sandkiste zu spielen, mit dem Auto im Sand zu wühlen und über die Dünen zu springen. Vergessen der „Kindergarten“, Freude über alles, Freude am Spiel mit dem Sand ohne ein konkretes Ziel, nur da zu sein und zu spüren, nichts bezwingen zu müssen, keine Düne überwinden zu müssen, kein Ziel erreichen zu müssen, wie in Libyen, kein unendliches Kopfzerbrechen, wo und wie es weitergehen könnte, nur Spaß und Freude pur.

Was für eine Freude, die Nacht im Freien zu verbringen, nur auf einer Decke liegend und den Sternenhimmel zu betrachten, wie er Stunde um Stunde am Firmament weiter wandert, wieder vertraut zu werden mit den einzelnen Sternbildern, sie als alte Freunde wieder zu entdecken. Freunde aus meiner Kindheit, als ich sie fast jeden Abend beobachtete. Und dazwischen den Schweif einzelner Kometen zu beobachten oder das Blinken eines Flugzeuges aus großer Höhe.

Wann hast Du zuletzt den Sternenhimmel betrachtet?

Eine kleine Änderung meines Standpunktes, ein Loslassen meines Hochmutes und so viel Freude trat ein in mein Leben, mein zuvor fast leeres Glas war gefüllt bis zum Rand, ja, es floss geradezu über.

Vielleicht sollten wir alle von Zeit zu Zeit unsere Standpunkte anschauen und kleine Änderungen zulassen, vielleicht ist das eine Quelle des Glücks?

Ich jedenfalls werde das nächste mal auf meinem Weg nach Libyen nicht mehr achtlos und hochmütig an den Dünen in Tunesien vorbeifahren, ganz im Gegenteil, ich werde einen Umweg machen und sie besuchen…….

______________________________________________________



Eine Patientin von mir, eine zierliche, gepflegte Frau in den Neunzigern, musste kurzfristig ins Pflegeheim ziehen, da ihr Mann, der sie liebevoll betreut hatte, plötzlich und unerwartet verstorben war.

Zufällig kreuzten sich an genau jenem Tag, als sie einzog, unsere Wege im Pflegeheim. Sie saß in einer Nische am Gang auf einem Stuhl, während die Schwestern das Zimmer für den Einzug vorbereiteten. Während sie geduldig und mit einem Lächeln so da saß, in einem schönen Kleid, einer frischen Frisur, etwas geschminkt, wie für ein großes Ereignis vorbereitet, konnte ich einen kurzen Blick auf ihr Zimmer werfen, ein kleines abgewohntes Zimmer, vielleicht das kleinste im ganzen Stock – es musste ja schnell gehen – nur notdürftig hergerichtet und statt Vorhängen Segeltüchern an den Fenstern. Es stimmte mich traurig, dass ausgerechnet sie dieses bessere „Besenkammerl“ bekam. Als man ihr sagte, dass sie das Zimmer nun anschauen könne, schaute sie mich kurz an und meinte, sie freue sich auf ihr neues Zuhause. Als ich ihr entgegnete, „Warten Sie doch, schauen Sie sich Ihr Zimmer doch erst einmal an“ meinte sie nur:

„Das ist nicht notwendig. Glück ist etwas, das ich bereits vorher beschließe. Ob ich mein Zimmer nun mag oder nicht mag, hängt nicht davon ab, wie die Möbel angeordnet sind. Es hängt davon ab, wie ich mein Denken anordne. Und ich habe bereits beschlossen, dass ich mein Zimmer lieben werde.“

Und sie lebte noch viele Jahre glücklich in ihrem „Besenkammerl“…………

Weihnachtskarte 2011

Es war im Advent, an einem dieser nebeligen, nasskalten Tage, meine letzte Visite im Heim. Die Patientin war seit kurzem bettlägrig, es fiel ihr schon schwer, zu sprechen, und doch strahlte sie eine innere Ruhe und Gelassenheit oder war es Weisheit? aus, so dass ich mich immer gerne zu einem „Ratscher“ zu ihr setzte.

Doch an diesem Abend war sie anders als sonst, nachdenklich, sie schien weit weg in die Ferne zu schauen, ich spürte ihr Bewegt-Sein.

Als ich mich zu ihr gesetzt hatte, ergriff sie meine Hand, blickte wieder in die Ferne und sagte: „Als mein Sohn 25 Jahre alt war, kam er einmal zu mir und fragte mich: Mutti, was ist Liebe? Ich war perplex. Ich wusste einfach spontan keine Antwort auf diese direkte Frage. Und so antwortete ich ihm: Davon hast du keine Ahnung, davon verstehst du nichts, nur, das, was du machst, hat mit Liebe gewiss nichts zu tun und schickte ihn weg. Erst im Nachhinein erkannte ich, wie sehr ich ihn damit verletzt hatte und wie wenig ich über die Liebe selbst wusste. Lange Zeit habe ich keine Antwort gefunden, erst nach und nach ist mir klar geworden, dass Liebe mit dem Herzen zu tun hat, mit einem Öffnen des Herzens für die anderen, so dass ein Überströmen der Zuneigung von Herz zu Herz möglich wird.

Liebe ist, sich selbst zu schenken und von den anderen nichts zu wollen. Und in diesem Sinne hat Jesus uns das großartigste Geschenk, das es gibt, gemacht, er hat nämlich sich uns geschenkt, um dann später am Kreuz für uns zu sterben, um uns zu erlösen. Und er hat dafür nichts gewollt.

Gibt es ein größeres Geschenk?

Bald ist wieder Weihnachten, doch die Menschen sehen dieses großartige Geschenk nicht mehr. Die Kaufleute haben es geschafft, uns zu vermitteln, dass man Dinge schenken muss, aus Weihnachten ein Geschäft gemacht, und keiner sieht mehr dieses wunderbarste aller Geschenke.

Warum ich Ihnen das alles erzähle?

Ich fühle, dass nun die Zeit gekommen ist, meinem Sohn die letzte große Lektion zu erteilen, nämlich das Alleine-im-Leben-Stehen, so ganz ohne Rückhalt seiner Eltern, in unsere Nachfolge einzutreten, so, wie wir seinerzeit in die Nachfolge unserer Eltern eingetreten sind.

Dies wird mein heuriges und letztes Weihnachtsgeschenk an ihn sein, auch wenn er es vielleicht nicht als Geschenk erkennen wird.

Ich habe Ihnen dies alles erzählt, weil ich so auch Ihnen etwas schenken wollte, ich habe Ihnen auf diese Weise ein bisschen von mir geschenkt.

Ich bin glücklich, dass ich meine Aufgabe hier bald erfüllt haben werde und in Frieden gehen kann.“

Es war ein bewegter, stiller Abschied. Ich sah sie nie wieder.

Willkommen in der Terra Yogi.

Wir bitten Euch um Einhaltung der folgenden Hausordnung:

  • Bitte nehmt Rücksicht auf die Nachbarn und seid im Freien leise, speziell zur Mittags- und Nachtruhe.
  • Der Garten ist ungesichertes hochalpines Gelände. Dementsprechend ist das Betreten des Gartens nur auf eigene Gefahr bei Trittsicherheit und entsprechender Ausrüstung erlaubt.
  • Das Rauchen ist im gesamten Haus ausnahmslos untersagt. Im Freien ist es nur an den gekennzeichneten Orten gestattet.
  • Der Gebrauch von Drogen ist auf dem gesamten Gelände der Terra Yogi unerwünscht und führt zum sofortigen Verweis aus der Terra Yogi.
  • Bitte entzündet keine Kerzen.
  • Bitte respektiert den Privatbereich im Keller und im Erdgeschoß.
  • Bitte schont die Pflanzen und Tiere der Terra Yogi. Wir freuen uns über den Besuch von Wildbienen, Schmetterlingen, Vögeln, Fröschen, Eidechsen und wollen, dass sie sich bei uns wohl fühlen.
  • Bitte löscht das Licht nach Verlassen des Raumes und lasst, speziell im Winter, die Fenster nicht unnötig offen. Unsere kontrollierte Lüftungsanlage bringt genügend Frischluft und gewinnt die Wärme der Abluft retour und hilft so der Umwelt.
  • Bitte geht pfleglich mit der Einrichtung und Ausstattung der Terra Yogi um, damit auch die nächsten Gäste sie mit Freude nutzen können.

Schöne Tage